09.12.2009

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von balm&creak mit einer ganzen Menge schöner Neuvorstellungen – und das obwohl es kurz vor Weihnachten ist, wo doch aus Geschenkezwecken sonst nur Compilations und Best of Alben erscheinen… und ganz im Weihnachtsgeiste gibt es heute, in der zweiten Hälfte der Sendung eine etwas außergewöhnliche Verlosung, dessen Gewinn sich als Geschenk, aber natürlich auch zum selber beschenken durchaus anbietet.

Anfangen möchte ich mit meinem momentanen persönlichen Highlight, den Former Ghosts – das sind Freddy Ruppert von This Song Is a Mess But So Am I, der der Kopf der Gruppe ist, Jamie Steward aka Xiu Xiu und Nika Rosa von Zola Jesus. Alle drei singen auf der Platte und haben auch musikalisch kreativ mitgewirkt, die sind aber von Freddy in einer Zeit des unglücklichen verliebt seins geschrieben worden. Die Musik ist äußerst intensiv und emotional, so intensiv dass, würde man alle Nachhall Schnipsel der Stimme und der Instrumente des Albums trennen und hintereinander reihen, man auf eine Länge von 8 3/4 Jahren käme. Die Emotionalität des Albums lässt nicht an selbstzerstörerischen Komponenten mangeln und das Video zu Hold On zeigt dem gerecht werdend einen abendlichen Selbstversuch, bei dem Ruppert so viele verschiedene Sorten Alkohol mischt und zu sich nimmt, dass es in einem unvermeidlichen körperlichen Zusammenbruch endet.

Thematisch beschäftigt sich das Album mit den essentiellen täglichen Gegebenheiten, die das Leben schwer machen, und die stimmliche Fragilität die durch ihren lo-fi Charme einfach wahnsinnig nah wirkt, wird unterlegt mit Synthieklängen und Rhythmen die zum mitwippen einladen – durch ihre Eindringlichkeit aber auch gleich wieder verstören und berühren. Ihr Label Upset The Rhythm beschreibt das Gefühl das das Album vermittelt, wie eine Strafe dafür, in einem unbedachten Moment aus versehen Spaß gehabt zu haben. Das gerade gehörte I Wave wird hauptsächlich von Jamie Steward gesungen, der für die härteren Kanten des Albums verantwortlich ist und das folgende In Earth’s Palm wird von Nika Rosa bestimmt die mit ihrer klaren, eindrucksvollen aber nicht weniger schmerzbehafteten Stimme eine wunderbare Ergänzung für das Album darstellt. Wie Barbara Streisand die nachts auf der Straße liegt, bedeckt mit heißem Teer, gebrochenen Beinen und es dennoch schafft kraftvoll und bezaubernd zu singen.

Das zweite nicht weniger zerbrechliche Album kommt aus Hamburg von Mohna und dem schönen Sunday Service Label auf dem auch schon das Album von Monas Band den Me Succeeds erschien, bei denen sie ebenfalls singt und Keyboard spielt. Das Album 1985 -1994 beschäftigt sich mit der Aufarbeitung ihrer ersten zehn Lebensjahre und erinnert stimmlich an Joanna Newsom oder auch Coco Rosie. Die Brüchigkeit und Zurückhaltung in der Stimme, die oft als kindlich rezipiert wird, scheint für mich aber viel mehr ein Ausdruck des Erwachsen seins zu sein, der probiert sich so der, mit dem Erwachsen sein verbundenen Verantwortung zu entziehen, sich damit in eine verspielte Ecke zu flüchten und gar nicht zu realisieren, dass das bezeichnende an kindlichem Singen doch viel eher der unbedachte, kraftvolle Ausdruck ist.

Auch wenn Mohna auf dem Album Erlebnisse ihrer Kindheit beschreibt, die sich in Bildern zeigen die Drachen am Himmel im eben gehörten The Kites oder Nadeln die leise auf den Boden fallen beschreiben, wie im davor gehörten Another Needle wirkt das Album auf mich, mit der ruhigen Klavierbegleitung und den teilweise unterstützenden Streichern, gepaart mit Samples wie im folgenden Break, Break, Break, sehr reif und durchdacht und wird mir bestimmt noch einige graue, dunkle Nachmittage erhellen.

Außerdem möchte ich noch zwei bis drei Lieder der Parenthetical Girls aus Portland spielen, deren EP The Scottish Play gerade auf Vinyl und auf 500 Stück limitiert bei Tomlab herausgekommen ist. Auch hier gibt es viele Emotionen und lo-fi Charme, allerdings auf eine nicht ganz so bedrückende Weise wie bei den Former Ghosts. Besonders das Doughnut Lied hat sich gleich in mein Herz gespielt. Die Songs dieser EP sind Cover Versionen des 2006 verstorbenen scottischen Künstlers Ivor Cutler.

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Welches Kochbuch das gerade in der 4. Auflage erschienen ist, ist nicht nur für seine ausgewählten veganen und vegetarischen Rezepte bekannt, sondern bietet auch noch zu jeden Rezept den passenden Song?

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