Herzlich Willkommen zu einer neuen Ausgabe von balm&creak. Ich habe wieder einige Neuvorstellungen mitgebracht, zwei davon stammen heute von deutschen Bands.

Beginnen möchte ich dabei mit der neuen EP der Sterne, die den Titel Der Riss trägt und am 2.10. bei Gomma erschienen ist. Nachdem Herr Spilker bei einem balm&creak Interview vor einigen Jahren in Leipzig noch betonte, dass sie keine Lust auf Veränderungen haben und mit ihrem Stil sehr zufrieden seien, hat sich inzwischen aber doch einiges geändert. Im Herbst 2008 trafen sich Frank Spilker und co. mit Mathias Modica, aka Munk, dem Kopf hinter Gomma und es wurde über eine zukünftige Zusammenarbeit nachgedacht. Und obwohl drei viertel der Band mit Spaß bei dieser Kollaboration dabei war, wollte Richard von der Schulenburg den daraus resultierenden neuen Stil nicht mittragen und schied aus der Band aus. Das erste Lied von der Riss EP heißt Deine Pläne, die anderen beiden Nach Fest Kommt Lose, das dritte Neblige Lichter. Und ich muss sagen, so neu finde ich das nämlich eigentlich gar nicht.
Frank Spilkers Stimme und Texte bestimmen die Musik so enorm, dass ich, würde nicht so viel Wirbel darum gemacht werden, wohl nicht einmal von einem Stilwechsel sprechen würde. Dennoch soll der Titel “Der Riss” den Bruch innerhalb der Band widerspiegeln. Das besagt zumindest der leider nicht sonderlich gut geschriebene Pressetext. Linus Volkmanns Intro Einschätzung als “Wohldosierte kleine Geilheit” ruft auch nicht wirklich mehr Enthusiasmus hervor und das Video, zu dem es hier einen Link gibt, verwirrt mich ein wenig. Auch wenn mir das neue Konzept noch nicht so ganz klar ist bin ich gespannt was das ganze Album in sich birgt, das auch zusammen mit Mathias Modica entstehen soll und voraussichtlich Anfang nächsten Jahres erscheinen wird.

Eine weitere alt bekannte Band aus Hamburg, Die Goldenen Zitronen melden sich mit einem neuen Album zurück, das den Titel Die Entstehung der Nacht trägt und uns wie die Sterne mit viel von dem beglücken, was wir von ihnen erwarten. Intelligente Texte, Spaß, düstere Wahrheiten, Krach, Lärm, Elektronik aber irgendwie schon auch einer Menge Pop. Zeitschleifen, ist das erste Lied auf dem Album, bei dem man sich am Ende fragt wie man denn nach so einem Anfang dahin gekommen ist, wo man sich gerade befindet, und erkennt sich dann aber dennoch in der Unkenntlichkeit wieder.

Das Album insgesamt wirkt sehr abgerundet (wollen die das hören?), ist erstaunlich zugänglich und lädt zum freudigen mitwippen ein und melodiöse Elemente könnten schon zu Ohrwürmern werden. Beautiful People, bei dem sie von Michaela Melian von Malaria unterstützt werden klingt nach zerbrechlichem Popstück das stark an Velvet Underground erinnert während Bloss Weil Ich Friere wohl auf kaum andere Urheber als die Zitronen schließen lässt.

Nach Börsen Crashen von den Golden Zitronen wenden wir uns jetzt einer anderen alten Punk Legende zu, die vor genau 30 Jahren erstmalig für Aufsehen sorgte. The Slits, haben sich neu besetzt, zwei alte Mitglieder Ari Up und Tessa Pollitt sind dabei geblieben, der Rest hat sich deutlich verjüngt und eine ganze Menge neue Einflüsse dazu gebracht wie der Sound von Reggae Gypsy von dem gleich zwei Versionen auf dem Album zu finden sind, zeigt.

Nach Reggae Gypsy lief das Lied Trapped Animal nach dem auch das Album benannt ist. Die Slits brachten vor 30 Jahren ihr erstes Album mit dem Titel Cut raus, danach folgte 1981 das Album Return of the Giant Slits und es wurde seit dem nicht mehr viel von ihnen gehört. Auch auf ihrem neuen Album sparen sie aber nicht mit der Zurschaustellung ihrer Selbstsicherheit, indem sie sich als die neuen Musikpropheten bezeichnen und als lebende Legende sehen die ein reiches Erbe antreten. Und dieses Album ist vielleicht wirklich bezeichnend, auf jeden Fall macht es viel Spaß und erweitert die ‘coole’ Musiklandschaft mit Sicherheit.

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