Als ich mich auf die Suche nach schönen und nicht so typischen Liedern für das jährliche Weihnachtsspecial machte, war ich positiv überrascht über die große Auswahl einzelner Lieder und Zusammenstellungen die auf den unterschiedlichsten Blogs zu finden sind. Bei balm&creak gibt es heute eine liebevoll ausgewählte Zusammenstellung, die inkl. Cover unten auch heruntergeladen werden kann.
Ich hab dabei diesmal ganz bewusst darauf verzichtet Coverversionen traditioneller Weihnachtslieder zu verwenden und auch die altbekannten Weihnachtscompilations von den Bright Eyes, Belle and Sebastian, Low, Yo La Tango oder Surfjan Stevens vernachlässigt, um dafür lieber ein paar unbekannteren Bands und neuen Weihnachtsmotiven Raum zu bieten.

Beginnen möchte ich mit zwei Liedern, die die Winterzeit nicht nur mit dem christlichen Weihnachten in Verbindung bringen, obwohl das durch die öffentliche Repräsentation in Medien und Geschäften und auch auf Grund der gesetzlichen Feiertage kaum zu vermeiden ist, sondern ihre eigene Position aus jüdischer Perspektive beschreiben. My First Earthquake (klingt fast so niedlich wie Soko) deren Sängerin gerne Kakao mit Marshmellows trinkt und Standard Farre, die sich wundert warum sie sich eigentlich soviel Gedanken darüber macht wo sie Weihnachten verbringen soll, und das darauf zurück führt, dass Chanukka dieses Jahr so früh ist, dass noch keine Ferien sind…

The Walkmen beschreibt den Heiligen Abend, mit Wein im Bauch, Sehnsüchten und dem Wunsch dass der Sänger nach dem schönen Abend, an dem alle alten Freunde beisammen sind, nicht wieder alleine zurück bleibt. Auch die Middle Distance Runner freuen sich auf ihre Weihnachtsparty mit Christmas Carols und Apfelwein – Hauptsache man fühlt sich geliebt. Sie geben zu, dass das nicht immer einfach ist, plädieren aber dafür, besonders zu Weihnachten, zumindest irgendwie zu probieren freundlich zu seinen Mitmenschen zu sein.

My Little Pony aus Norwegen sind da schon etwas skeptischer, im Dezember ist es dunkel, der Weihnachtsmann längst entzaubert und Strom ziemlich teuer. Sie sagen dass, wenn man so etwas trauriges nicht hören will, sollte man Norwegern nicht Gitarre spielen beibringen, denn die seien allgemein kalt, reich, traurig und haben den Anspruch die Welt zu regieren. Trotzdem verkünden sie, dass wenn man die Heizung an macht alles schon nicht mehr so schlimm aussehen und elektrische Weihnachten (was genau das sein soll sagen sie leider nicht) dann doch glücklich machen können.

Au Revoir Simone singen über die unabdingbare Kälte und das allein sein, Depressivität drückt sich für sie aus in lehren Betten, einsamen Mahlzeiten und middle-aged Frauen mit nackten Fingern und sie beschreiben die Idee, dass alles was man an Mitleid für sich selber empfindet dann doch ein weniger starkes Gefühl ist, als zu sehen dass es jemandem anderen schlecht geht, weil ihn die selben Dinge bedrücken. So drückt sie im Winter Zuneigung gegenüber jemanden aus, um dieses Leiden zu stoppen, die dann mit den ersten Sonnenstrahlen auch schnell wieder erlöscht.

Auch The Weepies beschreiben die dunkle kalte Weihnachtszeit, den Hafen mit Schiffen, Kinder die Singen, den untergehenden Mond, und dass das eigentlich alles ist, was sie wollen.

Das Lied Snowfall von den Halo Benders stammt schon aus dem Jahre 1994, von ihrem Debut God Don’t Make No Junk, nicht zu überhören die Stimme von Calvin Johnson, dem Gründer von K Recs in Olympia, der hier zusammen mit Doug Martsch von Built to Spill singt.
Ihnen folgen zwei Carols, einer von den Parenthetical Girls und einer von einer Band die The Bird and The Bees heißt. Die Parenthetical Girls haben gerade bei Tomlab ihre EP The Scottish Play veröffentlicht, die ich neulich schon vorstellte. The Bird and The Bee kommen aus LA, heißen Inara George und Greg Kurstin und machen electro twee pop, und Texte die nicht so harmlos sind wie sich die Melodie dazu anhört. F*cking Boyfriend von ihrem zweiten Album wurde von Peaches geremixed.

Fireflies ist das Bedroom-Soloprojekt von Lisle, im Moment in Chicago ansässig, der auf dem schwedischen Lavender Records Label veröffentlicht und eigentlich aus New England stammt. Die Musik wird zu Hause am Laptop aufgenommen und ist wunderbar verträumt, der Vergleich zu her Space Holiday nicht weit hergeholt.

Ivy sind Adam Schlesinger, Dominique Durand und Andy Chase aus New York und finden den Monat Dezember offensichtlich nicht sonderlich toll. Selbstmorde, gefrorene Augen und kalte Körper. Ist auch nicht schön…

Le Man Avec The Lunettes kommen aus Italien und sehen dem ganzen schon etwas postiver entgegen. Lustigerweise stelle ich grade fest, dass ihr deutsches Label ganz in der Nähe meiner neuen Wohnung ist und sie im Januar dort auch ein Konzert geben werden.

Ich frage mich gerade, ob ich die einzige bin die jetzt erst von Owl City hört. Das Publikum des Live Videos scheint sie auf jeden Fall ziemlich gut zu kennen. Ok, Werbesong. Fireflies der meist verkaufte I Tunes -titel. Schon krass. Mein nächste Frage ist ob das ein adequarter Ersatz für Postal Service ist, ob man ihnen vorwerfen kann und sollte, dass das ja eine direkte Adaption sei, oder sich freuen…

Chris Garneau singt davon, dass Weihnachten eine gute Zeit sei um noch mal schnell ein Herz zu brechen. Laura Hocking ist eine schwedische Graphik Designerin die in London lebt und wunderschöne Folk Musik macht. Das Lied Oh La, Lolita als Weihnachtslied zu beschreiben wäre anmaßend, eine Selbstreflektion mit Liebeserklärung, die zur Weihnachtszeit stattfindet, trifft es wohl besser.

It Hugs Back covern mit Christmas at the Zoo ein Flaming Lips Stück von 1995 und zum Abschluss kommen dann noch zwei etwas gegensätzliche Meinungen aus New York. Die eine von Julian Casablancas (The Strokes) der sich auf Weihnachten freut egal was alle anderen sagen und Comet Gain mit einer eher depressiven Auslegung voller Sehnsucht und mit einem fatalistischen Ausblick in die Zukunft.

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