Ich habe heute wieder vier Alben mitgebracht. Zum einen Slow Club, mit denen ich gleich beginnen möchte, außerdem Sunset Rubdown, Swan Lake und St. Vincet, was die heutige Sendung ganz zufällig zu einer sehr S-lastigen Sendung macht.

Das Slow Club Album Yeah, So erschien im Juli 2009 beim moshi moshi Label in Großbritanien und ist eines der seltenen Alben, die mich tatsächlich bei jedem einzelnen Lied freudig aufhorchen lassen. Auch wenn man nicht sagen kann, dass es sich um ein Konzeptalbum handelt oder dass eine stilistische Stringenz zu erkennen sei, zieht sich doch ein roter Faden durch das mal folkig, mal county-like klingende Album, dessen Stücke teilweise nur aus Stimme und Klavierbegleitung bestehen nur um im nächsten Moment wieder laut und typisch indie-rockig zu klingen. Der rote Faden liegt viel mehr in der Liebe und dem Witz mit dem die einzelnen Lieder umgesetzt sind.
Da mir die Entscheidung schwer fiel und auch immer noch fällt mich zwischen den 12 wirklich überzeugenden Tracks zu entscheiden, gab es zum Einstieg gleich zwei Lieder von Slow Club. Zuerst It doesn’t have to be Beautiful, bei dem man eine ziemlich deutliche Ähnlichkeit zu ihren Labelmates Tilly and the Wall hört und dann There’s no good way to say I’m leaving you, einem der zwei ruhigeren Lieder ihres Albums Yeah, So.
Slow Club sind Charles Watson und Rebecca Taylor aus Sheffield, die Internetreserche zu ihren where-abouts war nicht sehr informativ, wie ihre Musik nicht anders erwarten lässt, sollen sie aber auch live einen sehr sympatischen Eindruck machen. Die beiden lernten sich schon in der Schule kennen und als Rhytmusinstrumente dienen alle möglichen und unmöglichen Gegenstände, die Lyrics drehen sich meistens um Themen rund um das drum herum einer Zweierbeziehung auch wenn die Aussagen nicht wirklich immer Sinn zu machen scheinen, verlocken sie doch auch wie die musikalischen Spielereien immer wieder zum schmunzeln. Ihre Videos sagen da nichts anderes und sollte es zu einer Deutschlandtour kommen, wird sich wahrscheinlich auch der Besuch eines live Konzerts stimmungshebend auswirken.
Zum Abschluss gibt es jetzt noch mal Giving up on love und Apples and Pairs, zu dem es ebenfalls ein sehr liebevoll gestaltetes Video gibt.

sunsetNach den freundlich fröhlichen Slow Club geht es jetzt etwas düsterer weiter. Sunset Rubdown kommen aus Montreal, gegründet von Spencer Krug, der mit Sunset Rubdown ein etwas experimentelleres Projekt anstrebte, als mit der Band Wolf Parade, bei der er ebenfalls sowohl als Sänger als auch als Songschreiber tätig ist. Nachdem er einige Jahre solo unterwegs war suchte er sich nach dem erscheinen des ersten Abums eine Band zusammen, die aus Camilla Wynner Ingr von Pony Up!, Jordan Robson Cramer und Mike Doerkson besteht. Dragonslayer, das im Juni 2009 auf Jagjaguwar erschien ist – mittlerweile ihr viertes Album.
Wie der Titel des Albums, Dragonslayer, vermuten lässt, findet man in vielen der Lieder von Sunset Rubdown Märchenmotive; Könige, Götter, Geister und große Gefühle, metaphorisch und zerbrechlich. Eigentlich erzählt jedes Lied eine eigene Geschichte. In Black Swan, was ihr gerade gehört habt, die einer Person, die den sozialen Aufstieg sucht und sich mit Geistern quält an die sie nicht einmal glaubt. Und das, obwohl die Liebe für sie den Weg in eine andere Richtung ebnet – sie aber verbleibt lieber unglücklich in der Erwartung des Geistes. In Paper Lace, dem folgenden Song geht es um Eifersucht, Furcht, Flucht und Versprechen, in der verstohlenen Hoffnung, dass nach ein wenig Abstand und Ablenkung alles wieder gut würde.

swanlakePaper Lace, das gerade gehörte Lied ist keine Einzelstück. Es ist nämlich noch auf einem anderen Album vertreten. Enemy of Mine ist das Album von Swan Lake, das bereits im März diesen Jahres ebenfalls bei Jagjaguwar erschien. Und wie ihr euch wahrscheinlich denken könnt, ist da kein Zufall sondern liegt daran, dass Spencer Krug, der Kopf von Sunset Rubtown auch ein Drittel von Swan Lake stellt. Die anderen zwei drittel dieser mit Recht als Supergroup bezeichneten Band sind Daniel Bejar von Destroyer und den New Pornographers und Carey Mercer von Frog Eyes. Es ist das zweite Album das die drei zusammen aufgenommen haben und das folgende Ballad of a Swan Lake, Or Daniel’s Song, das Mittelstück des Albums ezählt wohl ein wenig aus ihrer Bangeschichte. The three of us together forever in debt. Wir drei zusammen – auf ewig verschuldet.
Während die drei jeweils eigenständig die Texte zu den einzelnen Liedern geschrieben haben, sind sie musikalisch gemeinsam umgesetzt worden und wie Spencer Krug es ausdrückt gibt es eine gemeinschaftliche Architektur die das Album zusammenhält. Auch auf Enemy Mine, zu dem Spencer, Daniel und Carey je drei Titel beisteuerten, treten die Menschen, wie auch auf dem Sunset Rubdown und den Destroyer und Frog Eyes Alben mit Wesen in Verbindung die nicht von dieser Welt stammen. Dabei entsteht aber kein plumpes Rollenspielbild oder Mittelalterromantik sondern kryptische Texte ergänzen gefühlvolle Balladen und die Instrumentierung und Brüchigkeit plazieren das Album, als ein Konglomerat der Fähigkeiten der drei Schöpfer, wohl auf immer in der viel geliebten und gelobten und in Europa immernoch etwas versteckten kanadischen Avantgarde die hervoragend in der Lage ist eigentümliche Schönheit mit dunkler Wärme zu verbinden.

morUnd wo wir gerade bei großartigen Kolaborationen sind – im September ist eine Platte der Monsters of Folk angekündigt. Diese setzen sich zusammen aus Conor Oberst (Bright Eyes), Jim James (My Morning Jacket), M.Ward und Mike Mogis. Als Vorgeschmack darauf gibt es schon mal Say Please, das zweite Stück auf ihrem ebenfalls Monsters of Rock betietelten Album.

stvincentSt. Vincent ist Annie Clark aus Texas und Actor ist ihr zweites Album das im Mai bei 4ad erschienen ist. Textlich genauso schwankend zwischen gelebter Realität und Fiktion wie die anderen Alben die hier heute schon vorgestellt wurden, errinern auch die musikalischen Brüche und die anmutende ausdrucksstarke Zerbrechlichkeit an die kanadischen Kollegen. Just the Same but Brand New, spielt dabei aber nicht auf die Ähnlichkeit an sondern erzählt vielmehr von dem Versuch sich durch die Auseinandersetzung mit einer anderen Person selbst neu zu erfinden.
Gerade gehörtes Actor Out of Work ist nicht nur der Titelsong sondern auch die erste Singleauskopplung vom neuen St. Vincent Album. Der Song handelt von der Liebe zu einem geliebten arbeitslosen Künstler und der Befürchtung, dass nach der Aufzählung der offensichtlichen Attribute, Liebe vielleicht eher eine Form des Verrückt seins sei. Im etwas ruhigeren The Neighbors geht es um soziale Zwänge und die Flucht vor ihnen, womit sie vielleicht auf ihre Kindheit mit sieben Geschwistern in einer katholischen Famile anspielt.

xxZum Abschluss der Sendung kommen wir dann noch einmal zu einer Band aus England, Oliver, Romy, Baria und Jamie sind the XX, deren selbstbetiteltes Album am 17. August bei Rough Trade erscheinen wird. Ihre Einflüße reichen von Aaliyah zu CocoRosie, Rihanna zu The Cure, Missy Elliott zu den Chromatics, The Kills zu Ginuwine, Pixies zu Mariah Carey und von Justin Timberlake zu Tracy + The Plastics. Ein Mix der’s in sich hat, wie man bei ihrer wahrscheinlich ersten Singleauskopplung Chrystalized zu hören vermag.
Nächste Woche gibt es ein kleines Audiolith Special und eine Vorstellung des Dockville Festivals was am darauf folgenden Wochenende in Hamburg stattfinden wird. Ich entlasse euch und uns jetzt in die unendlichkeit der Nacht mit Infinity einem weiteren Stück von XX.

Playlist:
Slow Club – Yeah, So (Moshi Moshi / 2009)
1. It doesn’t have to be beautiful
2. There is no good way to say I’m leaving you
3. Giving up on Love
4 Apples and Pairs
Sunset Rubdown – Dragonslayer (Jagjaguwar / 2009)
5. Swan Lake
6. Paper Lace
Swan Lake – Enemy of Mine (Jagjaguwar / 2009)
7. Ballad of a Swan Lake, Or Daniel’s Song
8. Peace
9. Monsters of Folk – Say Please mp3
St. Vincent – Actor (4ad / 2009)
10. Actor out of Work
11. The Neighbours
XX – XX (XL / 2009)
12. Chrystalized
13. Infinity

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