Herzlich Willkommen zu einer neuen Ausgabe von balm&creak, beim Stadtradio Göttingen am 29.7.2009 mit Verena.
Ich habe heute drei Alben mitgebracht, die in den letzten Monaten erschienen sind und bei balm&creak noch nicht besprochen wurden, mir aber auf Grund ihrer bleibenden Präsens in meinem eigenen Musikrepertoire als vorstellenswert erscheinen. Das sind zum einen die Wooden Birds mit ihrem Album Magnolia, die Great Lake Swimmers mit Lost Channels, sowie Regina Spektor mit dem neuen Album Far. Von diesem Album hören wir jetzt zum Einstieg Dance Anthem of the 80s.

Regina Spektors Album Far, das im Juni 2009 bei Sire/Warner erschien, ist ihr fünftes Album. Nachdem sie und ihre Eltern aus Russland auswanderten als Regina neun Jahre alt war, genoss sie in New York eine klassische Musikausbildung und begann, während ihrer College Zeit, an ihrem ersten Album 11:11 zu arbeiten. Sie wurde Teil der New Yorker Anti-Folk Scene, in deren Rahmen sie anfänglich hauptsächlich in New York aktiv war. Größere Aufmerksamkeit zog sie mit dem Erscheinen ihres dritten Albums Soviet Kitch auf sich, das von Gordon Raphael, Produzent der Strokes, produziert wurde und ihr ermöglichte diese auch auf einer ausverkauften Nordamerika Tour zu begleiten. Da das Songschreiben für Regina Spektor eine eher intuitive Angelegenheit ist, in der sie sich als Medium des Songs fühlt der einfach aus ihr heraussprudelt, sind die Aussagen ihre Texte nicht immer sehr verständlich. So singt sie in Dance Anthem of the 80s, was ihr gerade gehört habt, sowohl über einen Fleischmarkt in dem Menschen sich beim Essen zusehen, obwohl sie sich eigentlich viel lieber beim schlafen zusehen würden, erzählt weiter davon wie sie durch die New Yorker Straßen läuft als sei sie betrunken, dies aber gar nicht ist und außerdem abmerkt, dass jemand sehr süß dabei aussieht sich zu bewegen und zum Beat zu tanzen.
In The Calculation, dem folgenden Song, geht es um Computer, aus Küchenmateriealien zusammengebaut, werden sie mit menschlichen Zutaten ergänzt und verwischen so den Übergang zwischen Leben und Maschine, Gefühlen und (Be)Rechnung.
Nach The Calculation von Regina Spektors Album Far, das im Juni diesen Jahres bei Warner erschienen ist, habt ihr Blue Lips gehört, einen Song der den Menschen farblich (blau) mit der Welt in Beziehung setzt, und die Schwierigkeiten beschreibt, mit denen sich der Mensch auf der Erde abzufinden hat. Diese bestehen für Regina hauptsächlich im Finden eines Sinns, in Gott, Göttern, oder der menschlichen Realität, in der der Mensch mit dem Erwachsenwerden, Leadership und Streitigkeiten zu kämpfen hat.

Auch die Wooden Birds, aus Austin, Texas singen in Hailey über die traurige Welt, die den Sänger umgibt, der sich von einem ebenfalls traurigen Mädchen, Hailey, verfolgt fühlt.
Das Debut Album der Wooden Birds erschien im April diesen Jahres in Europa auf Morr Music und heißt Magnolia. Vielleicht kam die Stimme ja jemandem bekannt vor? Andrew Kenney, der sowohl Sänger als auch Songschreiber von den Wooden Birds ist, sang lange Zeit bei American Analog Set, die 2006 entschieden vorerst getrennte Wege zu gehen. Bei Wooden Birds stehen, wie unschwer in den letzten beiden Songs zu verkennen war, die Lyrics, meist Geschichten über ein nicht sehr glücklich verlaufenes Leben, im Vordergrund. Dies beschreibend stehen sie im Kontrast zu dem aktuellen Lebensgefühl von Kenney, der in diesem Album eher auf Erfahrungen aus der Vergangenheit referriert, sich im Moment hingegen sehr glückich und ausgeglichen fühlt. Hometown Fantasy, das Lied was ihr gerade gehört habt, erschien bereits 2003 auf Home Five, einer Split EP, die Kenney zusammen mit Benjamin Gibbard (Postal Service / Death Cab for Cutie) aufgenommen hatte.
Andrew Kenney, blieb kontinuierlich beim Songschreiben, suchte sich so eine neue Band, die aus Chris Michaels und Sean Haskins besteht, die ebenfalls schon beim American Analog Set dabei waren und zu denen er sich Jody Suarez von Living Better Electrically und Leslie Sisson von der Band Aero Wave dazu holte. Deren Musik, ist übrigens fast genauso schön, poppig und melancholisch, wie die der Wooden Birds. Auf der Aero Wave Seite wird das mit der Aussage “Aero Wave…is sure to satisfy every manic depressive’s musical needs” sehr trefflich beschrieben. Von Aero Wave gibt es jetzt das Stück Roller Girl, eine Parodie auf das Lied Soldier Boy von The Shirelles von Aero Waves 2005 erschienen EP Lala Love.

Um noch ein wenig weiter in Melancholie zu schwälgen geht es jetzt weiter mit den Great Lake Swimmers, deren Album Lost Channels im April 2009 bei Nettwerk/Soulfood Music erschien. Besonders das Lied Pulling on a Line, hat mich seit dem nicht mehr losgelassen.
Die Great Lake Swimmers kommen aus Toronto und Lost Channel ist bereits ihr viertes Album. Als Vorband von Feist, und besonders in der kanadischen Presse hochgelobt, scheinen sie dennoch lieber zurückhaltend zu bleieben. Tony Dekker, der Gründer der Great Lake Swimmers, betont immer wieder, dass es ihm beim Songschreiben viel leichter fällt über traurige Themen zu schreiben als fröhliche Musik zu machen. Pulling on a Line, das gerade gespielte Lied, erzählt wohl von dem Strang den wir ziehen, um uns durch Leben zu bewegen, durchs Wasser, durch den Schnee, wie ein Zug der sich durch ein Buch windet und vom Wind der uns und den Strang in die Lüfte erhebt, dem Strang, der manchmal aber auch an uns zieht und unser Leben in neue, überraschende Richtungen lenkt. Unison Falling into Harmony, das nächste Lied erzählt in schöner lyrischer Sprache von dem Versuch sich einer anderen Person anzunähern. Über die Schönheit und Emotionen und Momente in denen diese so schnell aufleuchten, wie sie auch wieder verschwinden können.

Um aber in nicht zu tiefe melancholische Zustände zu verfallen, wird die nächste halbe Stunde aus einem schönen indie-disco-rock’n roll mix bestehen, dessen Trackliste ihr hier nachlesen könnt.

Regina Spektor – Far (Juni 2009 – Sire/Warner) http://reginaspektor.com
1. Dance Anthem of the 80s
2. The Calculation
3. Blue Lips
Wooden Birds – Magnolia (April 2009 – Morr Music)
4. Hailey
5. Hometown Fantasy
6. Aero Wave – Roller Girl (2005 / Kein Label)
Great Lake Swimmers – Lost Channels (Nettwerk/Soulfood Music)
7. Pulling on a Line
8. Unison Falling into Harmony
9. MEN – Off our backs (ohh! crapp)
10. Soft Pink Truth – Promofunk (2003 / Pias/Rough Trade)
11. Hawnay Troof – Underneath the Ocean (2008 / Southern Records)
12. Frittenbude – Panda Bär (2008 / Audiolith)
13. Bondage Fairies – Action Figures (2009 / Audiolith)
14. Gravy Train!!! – Wutcha Wutcha Wutcha Wutcha Wu (2007 / Cochon/Cargo)
15. Electrocute – Bad Legs (2009 / PonyUp Recs.)
16. Hunx and his Punx – Gimmie Gimmie Back Your Love (Robs House Records)
17. Hunx and his Punx – You don’t like Rock and Roll (Robs House Records)

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