Queer Theory – Queer Music. Making an Appearance.

In: Interdisziplinäres Kolloquium zur Geschlechterforschung I

Nagelschmidt, Ilse; Wojke, Kristin; Borrego, Britta (Hrsg.): Interdisziplinäres Kolloquium zur Geschlechterforschung. Die Beiträge. Interdisziplinäre Dispute um Methoden der Geschlechterforschung. “Leipziger Gender-Kritik”, Band 2. (2010)

In diesem zweiten Band der Leipziger Gender-Kritik-Reihe führt die Diskussion über die Konstruiertheit der Geschlechter interdisziplinäre Beiträge um theoretisch-methodische Fragen und pragmatische Zugänge der aktuellen Geschlechterforschung zusammen. Hier werden Referate aus Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaft versammelt, die am Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung der Universität Leipzig (FraGes) anlässlich der jährlichen Kolloquien von 2007 bis 2009 gehalten wurden.

Queer Theory – Queer Music. Making an Appearance. Ein musikalischer Auftritt gegen Normativität oder wie aus der Theorie Praxis wird.

Verena Spilker

“People talk and people try to teil us, People talk, but they don’t understand, That we can do whatever we wanna do!” (Hawnay Troof, People Talk)

Musik begleitet uns teils bewusst, teils unbewusst in unserem Alltag und kann unser Leben auf unterschiedlichste Art beeinflussen. Während einige Menschen Musik auf emotionale Weise rezipieren, wird Musik von anderen bewusst als Kommunikationsmittel eingesetzt und wahrgenommen. Queer Music, die ich im Folgenden betrachten möchte, hat den Anspruch, als kommunikatives Medium zu fungieren, das durch textliche Auseinandersetzung, Performanz und bewusste Stilbrüche aus der Normativitat in Gesellschaft und musikalischem Mainstream ausbricht.

Durch eine Einführung in das Feld der postmodernen Musik möchte ich im ersten Teil dieses Aufsatzes Möglichkeiten aufzeigen, wie politische Aussagen und Einstellungen musikalisch artikuliert werden können, darauf aufbauend, sollen die Vorläufer der heutigen queeren Musik betrachtet und so ein Feld eröffnet werden, das nicht einfach zu definieren ist.

Da queer als Bezeichnung für sich in Anspruch nimmt, nicht statisch zu sein, sondern ununterbrochenen Verwandlungsprozessen unterworfen ist, kann auch queere Musik weder einen konkreten Stil noch eine konkrete Gruppe an Akteur_innen beschreiben. Da die Aktcur_innen, die hier betrachtet werden, außerdem sehr reflektiert vorgehen, verweigern sie sich vielfach explizit einer Kategorisierung. Dennoch kommt es immer wieder zu Austausch, Kontakten und Kollaborationen, so dass ein gewisser Netzwerkcharakter nicht abgestritten werden kann. Dies wird aus dem dritten Teil deutlich hervorgehen.

Ich stelle Queer Music fiir diese Betrachtung in eine Tradition, die auf zwei musikalische Bewegungen aufbaut, die beide im Genre des Punk und Hardcore angesiedelt sind: Queercore, das in den 80er Jahren in Kanada entstand und sich thematisch hauptsachlich auf Homosexualität bezog, und Riot Grrrl, das sich in den 90er Jahren in den USA entwickelte und hauptsichlich feministische Ansprüche vertrat. Beide Bewegungen basierten auf der Idee einer DIY-Community (do it yourself), die sich als Teil des Punk in der Abgrenzung zur Musikindustrie eniwickelte und auf direkte Vernetzung und Austausch setzte, um durch Selbsivertrieb und Liebe zum Detail eine Alternative zum verkaufsorientierten …

https://www.peterlang.com/view/title/12135

Photo background by Joshua Fuller on Unsplash, collage and table by me.

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